Zweifel über die Berufung

Zweifel über die Berufung

Auch für diejenigen, die sich schon für die Berufung entschieden haben und ein gottgeweihtes Leben führen ist die Antwort, die der hl. Don Bosco auf diese Zweifel gibt, wichtig; sie wird ihnen helfen, ihre Berufung klarer zu erkennen und Antwort auf Fragen und Hindernisse zu finden, die sich ihnen vielleicht stellen werden.

Don Bosco warnt, dass „derjenige, der sich Gott mittels der heiligen Gelübde weiht, ihm damit eine der wertvollsten und der Ehre Gottes am meisten entsprechende Gabe darbring. Der Feind unserer Seele aber, der sieht, dass sich eine Seele durch dieses Mittel von seiner Herrschaft befreien will, verwirrt für gewöhnlich den Geist derselben mit tausenderlei Täuschungen, um sie aufs Neue auf die verschlungenen Pfade dieser Welt zu locken. Die hauptsächliche dieser Täuschungen besteht darin, in ihr Zweifel über die Berufung hervorzurufen, auf die dann die Entmutigung folgt, die Lauheit und oft die Rückkehr in die Welt, welche diese arme Seele so oft als Verräter erkannt und aus Liebe zu Jesus Christus verlassen hatte.“ Der Teufel weiß, dass eine Seele die sich innerlich Gott hingegeben hat eine Seele ist, die er verloren hat und deshalb sucht er mit allen Mitteln, sie zu beunruhigen und sie von den Wegen des Himmels abzuhalten.


S. Giovanni Bosco

Die Seele, die im Bewusstsein vor Gott in eindeutiger Weise die Wahl über die eigene Berufung getroffen hat, muss wissen, dass alle nachfolgenden Versuchungen notwendigerweise vom Teufel kommen. „Wenn der Fall eintreten wird, geliebte Kinder“, fährt der Heilige fort, „dass euch diese gefährliche Versuchung befällt, so antwortet euch selber ohne zu zögern, dass, als ihr in die Kongregation eingetreten seid, Gott euch die unschätzbare Gnade der Berufung gewährt hat und dass, wenn diese euch jetzt zweifelhaft erscheint, dies deshalb geschieht, weil ihr Opfer einer Versuchung geworden seid, der ihr Raum gegeben habt und die ihr verabscheuen und bekämpfen müsst als eine wahrhaft teuflische Anfechtung. Es geschieht bisweilen, dass der bewegte Verstand zur zweifelnden Seele sagt: Du könntest wo anders besser wirken. Antwortet sofort mit dem hl. Paulus: „Ein jeder soll in dem Stand verbleiben, in dem er berufen wurde“ (1Kor 7, 20). Der selbe Apostel bekräftigt, dass es angebracht ist, standhaft in der Berufung auszuharren, zu der ein jeder berufen worden ist: „ Ich, der Gefangene im Herrn, ermahne euch also, ein Leben zu führen, dass des Rufes würdig ist, der an euch erging, in aller Demut, Milde und Geduld“(Eph 4, 1-2). Wenn ihr in eurem Institut bleibt und genau dessen Regeln befolgt, seid ihr eures ewigen Heiles gewiss“.


Diese Dinge objektiv erwägend, erscheint es eindeutig, dass kein Platz für große Zweifel bleibt, wenn man einmal die göttliche Berufung erkannt hat, das Vollkommenere zu wählen. So sagt der hl. Don Bosco: wenn ich mit den Jugendlichen spreche finde ich keine Perle, die wertvoller wäre, als die Erkenntnis der eigenen Berufung, besonders wenn es jene an den Altar ist. Ja, die Berufung zum kirchlichen Stand ist eine so wertvolle Perle, dass ich es für unmöglich halte, eine zu finden, die mit dieser vergleichbar wäre“. „Die Güter eines solchen Lebens sind so viele, dass – wie der hl. Pierre Julien Eymard sagt – wenn man wüsste, was das geistliche Leben ist, alle Menschen sich in die Konvente stürzen würden, so dass nicht einer in der Welt zurückbliebe“.

„Während euer Geist und euer Herz von Zweifeln oder Leidenschaften bewegt werden, so trefft, wie ich euch wärmstens empfehle, in dieser Zeit keinerlei Entscheidung, denn diese Entscheidungen können dem Willen des Herrn nicht entsprechen, da dieser, wie der hl. Geist sagt, nicht in der Aufruhr zu finden ist (siehe 1Kön 19, 11). In diesen Momenten rate ich euch, euch euren Oberen zuzuwenden, ihnen euer Herz zu öffnen und aufrichtig ihrem Rat zu folgen“. Bevor man, von solcherlei Versuchungen angetrieben, den geistlichen Stand verlässt, ist es stets notwendig, den Oberen oder einen klugen geistlichen Führer um Rat zu fragen: „Wehe dem, der die Zweifel über seine Berufung verbirgt oder die Entscheidung des Austritts aus der Gemeinschaft trifft, ohne sich vorher ausreichend beraten zu lassen und ohne die Einwilligung desjenigen, der seine Seele führt! Derjenige, der so handelt, gefährdet sein ewiges Heil aufs Höchste“.